Fazit: Auf den ersten Seiten könnte man "Regen am Kaspischen Meer" für einen schönen, wenig anspruchsvollen Frauenschicksals-Schmöker halten: Es entwickelt sich die klassische Geschichte des armen Mädchens, das ihren reichen Märchenprinz heiratet und nach einigen Hindernissen mit ihm glücklich und zufrieden lebt. Doch als klar wird, dass alle Hoffnungen Bahars enttäuscht werden, ändert sich auch der Stil des Buches: Die Handlung wird gerafft, es werden Zeitsprünge von teilweise einigen Jahren gemacht, was allzu deutlich die Hoffnungs- und Trostlosigkeit in der Familie unterstreicht. Hoffnungen, Wünsche und Träume sind ein immer wiederkehrendes Motiv, meist in der Form, dass sie enttäuscht werden. Das Buch ist voll von Figuren, die immer wieder scheitern, manche geben die Hoffnung trotzdem nie auf - und wirken dadurch schon fast lächerlich - manche finden sich irgendwie mit dem Leben am Rande der Gesellschaft ab oder resignieren ganz einfach. Und natürlich klagt dieses Buch die uralten Traditionen und Rollenvorstellungen an, die nahezu alle Charaktere letzten Endes unglücklich machen.
Etwas irreführend war allerdings, dass auf dem Klappentext auf die politische Lage - Stichwort islamische Revolution - eingegangen wird, die jedoch im Buch selbst nur auf einer Seite erwähnt wird. Was den Menschen ihr Leben hier zur Hölle macht, sind weniger die politischen Umstände, wie man denken könnte, sondern die gesellschaftlichen Traditionen und Zwänge.
Trotz der düsteren Stimmung hat mir das Buch aber gut gefallen.
Originaltitel: Caspian Rain, 317 Seiten, marebuchverlag, €19,90.
1 Kommentar:
Ich finde auch, ein Roman, der Hoffnung macht und Verständnis vermittelt für die Menschen in einem angeblichen Schurkenstaat: http://www.lesenblog.de/2008/05/09/erinnerungen-an-ein-judisches-teheran/
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