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Wir bleiben im (beim?) Themenkreis Südafrika - zum einen, da ich gerade meine Hausarbeit über die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission schreibe, zum anderen, da ich aus ebendiesem Grund nicht wirklich viel Nicht-Wissenschaftliches lesen kann - und dieses Buch fiel mir wieder in die Hände, als ich was nachschlagen musste. Ach ja: Der Bücherstapel auf dem Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt, in Wirklichkeit habe ich so etwa 30 Bücher daheim oder im Schließfach verteilt, dazu kommen noch seitenweise Kopien... Aber daran stört mich eigentlich nur, dass meine Liste von Büchern, die ich gerne lesen möchte, immer länger wird (und auch sonst viele Sachen liegenbleiben), denn, wie ihr vielleicht schon wisst, habe ich einen gewissen Südafrika-Tick. Ich war dort für ein halbes Jahr auf der Schule, und da lernt man zum einen das Land lieben (zumal ich in Kapstadt war, was nicht umsonst "Das schönste Ende der Welt" genannt wird), zum anderen führt kaum ein Weg dran vorbei, sich mit Geschichte und Gesellschaft auseinanderzusetzen, weil die Auswirkungen der Apartheid immer noch sehr gut sichtbar sind. Und um mehr zu erfahren, habe ich mir mal dieses Buch gekauft ("Long Walk to Freedom" war natürlich auch schon dran, ist dann fast schon klar).
Um was gehts? Wie der Titel schon sagt. Die Geschichte Südafrikas wird nachvollzogen von den Ureinwohnern (ach, ich weiß einfach nie, was man denn jetzt sagen soll... Indigene Völker? Ihr versteht mich ja) über die erste Besiedlung durch die Europäer bis zur Apartheid und deren Überwindung.
Fazit: Ein wirklich schönes Buch, vor allem zum Einstieg in die südafrikanische Geschichte. Und das lohnt sich, denn schließlich werden wir in Zukunft einiges über Südafrika hören: Nächstes Jahr wird ein neuer Präsident gewählt, was angesichts der politischen Turbulenzen wohl auch noch spannend werden wird, mal ganz zu schweigen von der WM 2010 (und der spannenden Frage: Schaffen sies? Ich sage: Ja, das werden sie. Wetten werden angenommen). Jedenfalls ist dieses Buch hier angenehm zu lesen, das Wichtigste steht drin und zum Weiterlesen gibt es eine Bibliografie am Schluss.
Bei dem Label "Literatur-Nobelpreis" denke ich irgendwie immer erstmal, dass die entsprechenden Bücher schwer zu verstehen und daher auch nicht angenehm zu lesen sind - aber da ich mich sehr für Südafrika interessiere und dieser Roman dort spielt, habe ich nun auch mal dieses Buch gelesen - und es nicht bereut.
Um was gehts? David Lurie ist Literaturprofessor in Kapstadt, zweimal geschieden und hatte bisher auf den ersten Blick keine Probleme, seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Doch nach einer Affäre mit Melanie, einer Studentin, fällt er in Ungnade, verliert seinen Job und macht sich daher auf, seine Tochter zu besuchen, die alleine auf einer kleinen abgelegenen Farm im Ostkap lebt. Eines Tages werden sie dort brutal überfallen und kommen, gemessen an der sonst üblichen Vorgehensweise der Gangster, recht glimpflich davon. Wie sieht aber das "Danach" aus? Es geht schließlich weniger um die konkrete Verfolgung dieses Verbrechens, sondern immer mehr um das Leben mit den Auswirkungen - und David muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sein neues Leben aussehen soll.
Fazit: Ich glaube kaum, dass ich hier ein vollständiges Fazit schreiben könnte. Über dieses Buch müsste man diskutieren, es steckt voller Metaphern und verschiedener Erzählebenen, die man wahrscheinlich auch erst nach und nach alle entdecken und verstehen kann. Philosophisches über das Älterwerden, das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sowie über Schuld und Verzeihen wird thematisiert - und natürlich geht es um das "neue" Südafrika, das demokratische und freie Südafrika, in dem die Apartheid immernoch präsent ist. Manche dieser Zwischentöne hört man vielleicht nur heraus, wenn man sich mit dem Land auskennt, aber trotzdem ist es nicht nur ein Buch für diejenigen, die sich schon mit dem Land beschäftigt haben. Warum die Protagonisten so handeln, das konnte ich manchmal nicht komplett nachvollziehen, aber vielleicht ist es auch mal reizvoll, wenn sich nicht alle Erwartungen an eine Handlung erfüllen? Ich kann dieses Buch jedenfalls guten Gewissens empfehlen.
