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War bei uns Schullektüre in Spanisch. Der erste Eindruck (des spanischen Texts): Unverständlich (wer es also auf Spanisch lesen möchte, sollte jedenfalls fortgeschrittene Kenntnisse haben). Also habe ich mir die deutsche Übersetzung gekauft und jetzt nach einiger Zeit auch mal wieder gelesen.
Um was gehts? In einem kleinen Dorf an der kolumbianischen Karibikküste wird eine Hochzeit gefeiert - doch noch in der gleichen Nacht wird die Braut von ihrem Mann wieder in ihr Elternhaus zurückgeschickt, da sie keine Jungfrau mehr war. Ihre Brüder fühlen sich verpflichtet, die Familienehre wiederherzustellen und den "Täter" zu töten. Es wird ein angekündigter Tod insofern, als dass nahezu das gesamte Dorf von diesen Plänen erfährt, nur Santiago Nasar, das Opfer, nicht.
Fazit: Schließlich und endlich gefällt mir dieses Buch doch sehr gut (ist ja bei Schullektüre nicht immer der Fall). Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt, doch mit jedem Dorfbewohner, der seine Version von der Geschichte erzählt, und mit jedem Rückblick und Perspektivwechsel gewinnt die Geschichte eine weitere Dimension dazu. Und natürlich stecken hinter alldem Fragen der Moral und der Ehre. Es ist kein Buch, was man mal eben so wegliest, sondern das zum Nachdenken bringt.
Originaltitel: Crónica de una muerte anunciada, 120 Seiten, Kiepenheuer+Witsch, €7,00.
Bei dem Label "Literatur-Nobelpreis" denke ich irgendwie immer erstmal, dass die entsprechenden Bücher schwer zu verstehen und daher auch nicht angenehm zu lesen sind - aber da ich mich sehr für Südafrika interessiere und dieser Roman dort spielt, habe ich nun auch mal dieses Buch gelesen - und es nicht bereut.
Um was gehts? David Lurie ist Literaturprofessor in Kapstadt, zweimal geschieden und hatte bisher auf den ersten Blick keine Probleme, seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Doch nach einer Affäre mit Melanie, einer Studentin, fällt er in Ungnade, verliert seinen Job und macht sich daher auf, seine Tochter zu besuchen, die alleine auf einer kleinen abgelegenen Farm im Ostkap lebt. Eines Tages werden sie dort brutal überfallen und kommen, gemessen an der sonst üblichen Vorgehensweise der Gangster, recht glimpflich davon. Wie sieht aber das "Danach" aus? Es geht schließlich weniger um die konkrete Verfolgung dieses Verbrechens, sondern immer mehr um das Leben mit den Auswirkungen - und David muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sein neues Leben aussehen soll.
Fazit: Ich glaube kaum, dass ich hier ein vollständiges Fazit schreiben könnte. Über dieses Buch müsste man diskutieren, es steckt voller Metaphern und verschiedener Erzählebenen, die man wahrscheinlich auch erst nach und nach alle entdecken und verstehen kann. Philosophisches über das Älterwerden, das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sowie über Schuld und Verzeihen wird thematisiert - und natürlich geht es um das "neue" Südafrika, das demokratische und freie Südafrika, in dem die Apartheid immernoch präsent ist. Manche dieser Zwischentöne hört man vielleicht nur heraus, wenn man sich mit dem Land auskennt, aber trotzdem ist es nicht nur ein Buch für diejenigen, die sich schon mit dem Land beschäftigt haben. Warum die Protagonisten so handeln, das konnte ich manchmal nicht komplett nachvollziehen, aber vielleicht ist es auch mal reizvoll, wenn sich nicht alle Erwartungen an eine Handlung erfüllen? Ich kann dieses Buch jedenfalls guten Gewissens empfehlen.
