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Ich bin - sozialisiert mit Astrid Lindgren und anderen schwedischen Autoren - heute immer noch Skandinavien-Fan. Angeblich (es soll sogar soziologische Studien über diese Präferenzen geben) findet man den Norden entweder toll oder kann damit nichts anfangen, dafür umso mehr mit Spanien und Italien und wo es sonst noch warm ist. Zu letzter Gruppe gehören meine Eltern, und so habe ich es "erst" im Ohne-Eltern-Verreisen-Alter in den Norden geschafft, zuletzt im vergangenen Sommer. Das letzte Mal ist es auf keinen Fall gewesen!
Bünz war fünf Jahre lang als ARD-Korrespondent in Stockholm und berichtet viel über Schweden, aber auch über andere skandinavische Länder und deren Eigenheiten.
Um was gehts? Einen großen Teil des Buches nimmt die Beschreibung von schwedischen Gewohnheiten und gesellschaftlichen Eigenheiten ein. Dazu kommen Geschichten aus Island, Norwegen sowie den polaren Gebieten Lapplands, Grönlands und Spitzbergens. Einiges hat man bereits gehört, manches ist neu, aber bewusst sollen die "Bullerbü-Klischees", die man als Deutscher gerne von Skandinavien und speziell von Schweden hat, widerlegt werden.
Fazit: Auf jeden Fall eine unterhaltsame Lektüre, für Neulinge, die sich über die nordischen Länder informieren wollen genauso wie für bereits Erfahrene - insofern ist der Titel irreführend, denn wer die beschriebenen Länder bereits kennt, wird vielleicht nur noch wenig Neues erfahren, auf jeden Fall aber das ein oder andere Aha-Erlebnis haben, denn Bünz schreibt auch viel über selbst Erlebtes. Da er mit seiner Familie dort gelebt hat, nimmt Schweden und vor allem die Stockholmer Gegend viel Raum in dem Buch ein. Finnland und Dänemark werden nur am Rande mal erwähnt, und zu Norwegen und Island werden einzelne, schlaglichartige Akzente gesetzt. Das fand ich manchmal ein wenig schade. Aber gibt es trotzdem viel Lustiges, Wissenswertes und Kurioses zu lesen, und man merkt, dass Bünz sehr, sehr gerne in Schweden gelebt hat.
Ich bin auf dieses Buch eigentlich erst aufmerksam geworden, als vor ein paar Monaten die Verfilmung in die Kinos kam - angeschaut hab ich sie mir nicht, aber mir dann dieses Buch gekauft. Und der Film? Ich schätze, der wird irgendwann auch noch nachkommen.
Um was gehts? Richard wird 1964 in ein kommunistisches Elternhaus in Westdeutschland hineingeboren. Er hat zwei leibliche und zwei adoptierte Geschwister - letztere wurden von den Eltern unter den Eindrücken des Vietnam-Kriegs nach Deutschland geholt. Für die Kinder müssen Klamotten aus der terre des hommes-Spendenkiste genügen, alles Amerikanische - von TV-Serien über Ketchup bis zur gängigen Musik - ist per se schlecht, dafür ist die DDR das gelobte Land und im Fußball wird Dynamo Kiew angefeuert. Die Precht-Kinder haben keine Tischsitten oder sonstige Manieren, Urlaub wird in Dänemark oder in kommunistischen Pfingstlagern gemacht, und natürlich werden zu Hause anstatt der gerade angesagten Rock- und Popmusik nur linke Liedermachen gehört.
Fazit: Ein schönes, gut zu lesendes Buch, das vor allem durch die vielen lustigen Anekdoten überzeugt. Auch wenn man, wie ich, kein Kind der 70er Jahre ist, hat man doch einen gewissen Wiedererkennungseffekt - zum einen, weil die Geschichte der Familie bis in die frühen 90er nachgezeichnet wird, zum anderen weil man sich selbst an das Typische seiner Kindheit und Jugend erinnert. Darüber hinaus ist das hier eine schöne Zusammenfassung der vorherrschenden Meinungen und der allgemeinen Stimmung in Deutschland damals. Neben ganz privaten Geschehnissen geht es auch immer wieder um die politische Großwetterlage, und immer wieder reflektiert Precht die Meinungen und die Gesinnung der Menschen damals - von dem kleinen Jungen, der alles nachbetet und vor seinen konservativen Lehrern verteidigt, was seine Eltern sagen, entwickelt er sich zu dem Jugendlichen, der doch vieles von damals und die Entwicklungen, die das "Linkssein" gemacht hat, kritisch sieht.
Denen, die mich kennen, werde ich sicherlich schonmal persönlich von Persepolis vorgeschwärmt haben, für alle anderen gibts hier nochmal einen Blogeintrag (ich will zwar vorwiegend aktuell gelesene Bücher vorstellen, aber ab und zu wirds auch Ausnahmen geben - wie für dieses hier).Um was gehts? Der erste Band hat den Untertitel "Eine Kindheit im Iran", und so lernt man Marjane kennen, die behütet und sorglos im Teheran der späten 70er Jahre aufwächst - oder, sagen wir, sorglos aufwachsen könnte, wenn sie nicht früh die Demonstrationen gegen den Schah miterleben würde. Durch ihre liberal-bürgerlichen Eltern und ihren Onkel, einen Kommunisten, der lange inhaftiert war, kommt sie früh mit den politischen Zusammenhängen in ihrer Heimat in Kontakt. Es wird für das vorlaute Mädchen nicht leichter, als die Mullahs unter Ayatollah Khomeini an die Macht kommen und als kurz darauf der Krieg mit dem Irak ausbricht. Als Marjane 14 Jahre alt ist, beschließen ihre Eltern, sie nach Österreich auf die Schule zu schicken, damit sie dort sicher aufwachsen kann. Von dem Leben dort, den Schwierigkeiten in einer fremden Kultur und der Rückkehr nach Teheran erzählt dann der zweite Band "Jugendjahre".
Fazit: Ich bin (abgesehen von der Micky-Maus-Phase meiner Kindheit, die wohl jeder irgendwie mal hatte) nicht wirklich die Comic-Leserin, aber Persepolis ist wirklich toll. Die Zeichnungen sind ganz einfach in schwarz-weiß gehalten, aber trotzdem - oder gerade deswegen - wirkt die Geschichte immer sehr eindringlich. Eigentlich sind diese Comics harte Kost: Es geht um Unfreiheit, Krieg, politische Unterdrückung und sogar Folter und Mord, aber Satrapi schafft es wirklich immer wieder, einen zum Schmunzeln zu bringen und zu zeigen, wie sich die Menschen trotz allem Leid ihre Nischen schaffen, in denen sie zumindest für kurze Zeit glücklich sind. Vor allem sind diese Comics eine gute Gelegenheit, mehr über den heutigen Iran und die Menschen dort zu erfahren - manchmal wird man sicher überrascht sein.
Im Übrigen ist auch die Verfilmung sehenswert!
Das hier ist zwar durchaus ein Buch, das zur neueren Feminismus-Debatte beitragen will, es sollte allerdings absolut nicht nur als "Frauenbuch" verstanden werden - auch Männer können es lesen und grundsätzlich jeder, der sich auch schon darüber Gedanken gemacht hat, was es bedeutet, heute eine Frau zu sein.Um was gehts? Das Buch versammelt sehr persönliche Kurzgeschichten, die jeweils von einer der beiden Co-Autorinnen im Wechsel geschrieben wurden und um Themen kreisen wie Beruf, Affären, feste Beziehungen, Sex, Geld und Kindheit. Es geht immer nur um Ausschnitte aus den jeweiligen Lebenswirklichkeiten, und es wird nicht nur beschrieben, sondern auch reflektiert: Warum habe ich damals so gehandelt? Wie stehen meine Lebenserfahrungen im Zusammenhang mit denen von anderen Frauen? Welche Rolle spielt mein Frausein in alldem?
Fazit: Lesen kann man dieses Buch auch dann, wenn man sich vorher noch nie Gedanken gemacht hat über Themen wie Feminismus und Geschlechterrollen und auch dann, wenn man mit dem Feminismus nichts am Hut hat. Dann kann man hier erste Anregungen bekommen, um was sich die aktuelle Diskussion dreht, und das ohne penetrantes Binnen-I. Dieses Buch erhebt sicherlich nicht den Anspruch, ein Stimmungsbild aller Frauen in Deutschland zu zeichnen. Es geht nur um junge, gut ausgebildete Frauen in einer Großstadt (Berlin, na klar. Manchmal ist diese Berlin-Coolness für meinen Geschmack etwas zu penetrant geraten).
Mir jedenfalls hat das Lesen Spaß gemacht, weil es einerseits schön zu lesen war, andererseits auch zum Nachdenken anregt und den ein oder anderen "klugen" Satz enthält.
